Warum das Tagesgewicht schwankt

Der größte Teil der Tagesschwankung ist Wasser. Glykogen, der Kohlenhydratspeicher in Muskeln und Leber, wird mit etwa drei bis vier Teilen Wasser gespeichert (Kreitzman und Kollegen 1992). Ein Abend mit viel Pasta füllt die Speicher und zeigt sich am nächsten Morgen auf der Waage. Salz bindet ebenfalls Wasser, ein voller Darm wiegt mehr als ein leerer, und nach hartem Training hält ein beanspruchter Muskel Flüssigkeit für die Reparatur.

Fett dagegen ändert sich langsam. Für ein Kilo Fett braucht es einen Überschuss von mehreren tausend Kilokalorien. Ein Sprung von einem Kilo über Nacht ist deshalb praktisch nie Fett.

Richtig wiegen

Je gleicher die Bedingungen, desto weniger Rauschen. Für ein Trendgewicht sind tägliche Messungen besser als wöchentliche, weil mehr Werte die Glättung stabiler machen. In einer Studie von Steinberg und Kollegen (2015) ging tägliches Wiegen außerdem mit mehr Gewichtsverlust einher. Wer das Wiegen als belastend erlebt, schaut nur auf den Trend und ignoriert den Tageswert.

  • Morgens nach dem Toilettengang, vor dem Essen und Trinken
  • Immer dieselbe Waage auf demselben, festen Untergrund
  • Mit möglichst wenig Kleidung, jeden Tag gleich
  • Jeden Wert eintragen, auch die unerwartet hohen

Was ein Trendgewicht ist

Ein Trendgewicht ist ein geglätteter Verlauf deiner Messwerte. Die einfachste Form ist der gleitende Durchschnitt über 7 oder 14 Tage. Verbreitet ist auch die exponentielle Glättung, die John Walker in The Hacker's Diet beschreibt: Jeder neue Wert verschiebt den Trend nur um einen kleinen Anteil, ältere Werte verlieren nach und nach an Gewicht.

Jede Glättung hat denselben Preis: Sie läuft einer echten Veränderung hinterher. Stärkere Glättung bedeutet eine ruhigere Linie, die später reagiert; schwächere Glättung reagiert schneller und zappelt mehr. Für Bulk und Cut, wo du Veränderungen über Wochen bewertest, ist diese Verzögerung kein Problem.

Typische Ausreißer

Manche Sprünge wiederholen sich und lassen sich vorhersehen. Ein salziges Restaurantessen, ein Tag mit vielen Kohlenhydraten, eine harte Beineinheit, der Start mit Kreatin, eine Reise oder bei vielen Frauen der Zyklus verschieben das Gewicht für ein paar Tage nach oben, ohne dass sich am Körperfett etwas ändert.

Trag solche Tage trotzdem ein. Ein gut geglätteter Trend steckt einzelne Ausreißer weg; wer sie weglässt, verzerrt den Verlauf eher. Hilfreich ist eine Notiz zum Tag, damit du später weißt, woher ein Ausschlag kam.

Das Tempo lesen

Die wichtigste Zahl ist die Veränderung des Trends pro Woche, am besten in Prozent deines Körpergewichts. So lassen sich Ziele unabhängig vom Gewicht vergleichen: Für einen Lean Bulk werden in der Fachliteratur etwa 0,25 bis 0,5 Prozent pro Woche genannt, für einen Cut etwa 0,5 bis 1 Prozent (mehr dazu in den Leitfäden zu Muskelaufbau und Diät).

Bewerte das Tempo über zwei bis drei Wochen, nicht über einen Tag. Erst wenn der Trend in diesem Zeitraum klar vom Ziel abweicht, passt du die Kalorien an.

Mehr als die Waage

Das Gewicht sagt nicht, ob du Fett oder Muskeln verlierst oder aufbaust. Ergänze es deshalb durch Taillenumfang, Fotos und deine Kraftwerte. Eine grobe Schätzung des Körperfettanteils liefert die Umfangsmethode der US Navy (Hodgdon und Beckett 1984), die nur ein Maßband braucht. Der BMI ist für muskulöse Menschen nur eingeschränkt aussagekräftig, weil er nicht zwischen Muskeln und Fett unterscheidet.

Werkzeuge

Mit dem Gewichtstrend-Rechner fügst du deine Werte ein und siehst Trend, Wochenrate und Verlauf; die Daten bleiben dabei in deinem Browser. Wer täglich trackt, kann das Trendgewicht auch automatisch führen lassen, zum Beispiel mit der App Lean is law.

Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Vorerkrankungen, Essstörungen in der Vorgeschichte, in Schwangerschaft und Stillzeit sprich Änderungen an Ernährung und Training vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt ab.

Artikel zum Thema

Alle Artikel ansehen

Passende Rechner

Pläne und Vorlagen als PDF

Trainingspläne, Tracking-Vorlagen und Spickzettel zum Ausdrucken, kostenlos und ohne Anmeldung.

Zu den Downloads

Quellen

  1. Kreitzman SN, Coxon AY, Szaz KF (1992): Glycogen storage: illusions of easy weight loss, excessive weight regain, and distortions in estimates of body composition. American Journal of Clinical Nutrition 56(1 Suppl):292S-293S.
  2. Steinberg DM, Bennett GG, Askew S, Tate DF (2015): Weighing every day matters: daily weighing improves weight loss and adoption of weight control behaviors. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics 115(4):511-518.
  3. Walker J: The Hacker's Diet. fourmilab.ch.
  4. Hodgdon JA, Beckett MB (1984): Prediction of percent body fat for U.S. Navy men and women from body circumferences and height. Naval Health Research Center, San Diego.