Was beim Muskelaufbau passiert

Training setzt den Reiz, gebaut wird in der Erholung. Schwere Sätze nahe am Muskelversagen signalisieren dem Körper, dass die vorhandene Muskulatur nicht reicht. In den Stunden und Tagen danach baut er mehr Muskelprotein auf, als er abbaut, sofern Energie und Baumaterial da sind.

Das passiert in kleinen Schritten. Sichtbare Unterschiede entstehen über Monate, nicht über Wochen. Einsteiger legen im ersten Trainingsjahr deutlich schneller zu als Fortgeschrittene; mit jedem Trainingsjahr wird der mögliche Zuwachs kleiner. Wer das weiß, plant ruhiger und lässt sich von einer schwachen Woche nicht aus dem Konzept bringen.

Warum ein kleiner Überschuss reicht

Muskelaufbau braucht Energie, aber nur begrenzt viel. Was über diesen Bedarf hinausgeht, speichert der Körper als Fett. Ein großer Überschuss macht den Aufbau deshalb kaum schneller, verlängert aber die Diät, die danach kommt.

Iraki und Kollegen empfehlen in ihrer Übersichtsarbeit zur Aufbauphase von Natural-Bodybuildern (2019) eine Zunahme von etwa 0,25 bis 0,5 Prozent des Körpergewichts pro Woche. Einsteiger dürfen eher ans obere Ende, Fortgeschrittene eher ans untere. Bei 80 kg sind das 200 bis 400 Gramm pro Woche, also weniger, als die Waage von einem Tag auf den anderen schwankt.

Den Überschuss, der zu diesem Tempo passt, schätzt du über deinen Erhaltungsbedarf. Der Rechner für Bulk- und Cut-Kalorien rechnet das Zieltempo in eine tägliche Kalorienzahl um. Das ist ein Startwert: Ob er stimmt, zeigt erst der Verlauf.

Das Tempo am Trend messen, nicht am Tageswert

Wasser, Salz, Kohlenhydrate und Darminhalt verschieben das Tagesgewicht leicht um ein bis zwei Kilo. Eine Zunahme von 300 Gramm pro Woche geht darin völlig unter. Deshalb zählt der geglättete Trend: Er zeigt, wie viel du pro Woche tatsächlich zulegst.

Liegt die Wochenrate des Trends über zwei bis drei Wochen über deinem Ziel, nimm etwas Energie heraus; liegt sie darunter, leg etwas dazu. Kleine Schritte, zum Beispiel 100 bis 200 kcal pro Tag, reichen, weil sich jede Änderung erst nach ein paar Wochen sauber im Trend zeigt. Mehr dazu im Leitfaden zum Gewichtstracking.

Training: Spannung, Volumen, Fortschritt

Der wichtigste Trainingsfaktor ist, dass du über die Zeit mehr schaffst: mehr Wiederholungen mit demselben Gewicht oder dasselbe mit mehr Gewicht. Ohne diesen Fortschritt fehlt der Grund für neues Muskelgewebe, auch im Kalorienüberschuss.

Beim Umfang hilft ein Blick auf die harten Sätze pro Muskel und Woche. Eine Metaanalyse von Schoenfeld, Ogborn und Krieger (2017) fand einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang: Mehr wöchentliche Sätze gingen mit mehr Muskelzuwachs einher, mit den größten Zuwächsen ab etwa zehn Sätzen pro Muskel und Woche. Mehr ist aber nur so lange besser, wie du dich davon erholst. Details stehen im Leitfaden zum Training.

Protein und der Rest der Ernährung

Protein liefert das Baumaterial. Morton und Kollegen (2018) fanden in einer Metaanalyse, dass der zusätzliche Nutzen von Protein für den Muskelzuwachs bei etwa 1,6 g pro kg Körpergewicht und Tag abflacht. Wer auf Nummer sicher gehen will, plant bis etwa 2,2 g ein; mehr schadet Gesunden nicht, bringt aber auch keinen messbaren Vorteil.

Den Rest der Kalorien verteilst du auf Kohlenhydrate und Fett, so wie es dir schmeckt und dein Training trägt. Kohlenhydrate füllen die Glykogenspeicher, die bei vielen Sätzen gebraucht werden. Ein Bulk ist kein Freifahrtschein für beliebiges Essen: Wer sich vor allem von stark verarbeiteten Lebensmitteln ernährt, überschreitet den geplanten Überschuss schneller, als er denkt.

Wann der Bulk endet

Eine feste Regel gibt es nicht. Viele beenden die Aufbauphase, wenn der Körperfettanteil so weit gestiegen ist, dass sie sich nicht mehr wohlfühlen oder der folgende Cut zu lang würde. Andere planen in festen Blöcken von einigen Monaten und schieben dazwischen Phasen auf Erhaltungsniveau ein.

Zur Orientierung helfen Taillenumfang, Fotos unter gleichen Bedingungen und eine Schätzung des Körperfettanteils. Der FFMI (Fettfreie-Masse-Index, beschrieben von Kouri und Kollegen 1995) setzt deine fettfreie Masse ins Verhältnis zur Körpergröße und zeigt, wie sich die Muskelmasse über Jahre entwickelt.

Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Vorerkrankungen, Essstörungen in der Vorgeschichte, in Schwangerschaft und Stillzeit sprich Änderungen an Ernährung und Training vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt ab.

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Quellen

  1. Iraki J, Fitschen P, Espinar S, Helms E (2019): Nutrition Recommendations for Bodybuilders in the Off-Season: A Narrative Review. Sports 7(7):154.
  2. Schoenfeld BJ, Ogborn D, Krieger JW (2017): Dose-response relationship between weekly resistance training volume and increases in muscle mass. Journal of Sports Sciences 35(11):1073-1082.
  3. Morton RW et al. (2018): A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training-induced gains in muscle mass and strength in healthy adults. British Journal of Sports Medicine 52(6):376-384.
  4. Kouri EM, Pope HG, Katz DL, Oliva P (1995): Fat-free mass index in users and nonusers of anabolic-androgenic steroids. Clinical Journal of Sport Medicine 5(4):223-228.